Metall & Zerspanung · Praxis-Wissen

Kühlschmierstoff automatisch managen: weniger Verbrauch, längere Standzeiten

Ein System, das Konzentration und Füllstand selbst konstant hält, spart Zerspanbetrieben spürbar Kühlschmierstoff – und schont zugleich Werkzeuge und Maschinen. So funktioniert automatisiertes Fluidmanagement.

Von Sven Müllers, Pöppel Redaktion  ·  26. Juli 2026  ·  Lesezeit 4 Min.
CNC-Bearbeitungszentrum mit Kühlschmierstoff-Strahl, der die Zerspanzone am Stahlwerkstück flutet
Kühlschmierstoff im Einsatz: In der Zerspanung entscheidet die konstant richtige Emulsion über Standzeit und Kosten. Symbolbild (KI-generiert)

Auf einen Blick

  • Automatisiertes Fluidmanagement misst laufend Konzentration, pH-Wert und Leitfähigkeit und dosiert Wasser und Konzentrat bedarfsgerecht nach.
  • Der Kühlschmierstoff bleibt konstant auf Sollwert – das verlängert die Standzeit von KSS und Werkzeug.
  • Im Fallbeispiel Liebherr Components sank der KSS-Verbrauch mit einem automatisierten System um rund 30 Prozent.
  • Werkzeugkosten machen nur etwa 3 bis 5 Prozent der Fertigungskosten aus, das KSS-Management dagegen 8 bis 16 Prozent.
  • Anbieter sind u. a. CUMA (Hermann Bantleon mit Festo), GIMAT und RHOBA-Chemie.

Kühlschmierstoff ist im Einkauf ein kleiner Posten und im Betrieb ein großer. Die reinen Werkzeugkosten liegen in der Zerspanung meist bei 3 bis 5 Prozent der Fertigungskosten, das Kühlschmierstoff-Management dagegen bei 8 bis 16 Prozent – Beschaffung, Pflege und Entsorgung zusammengenommen. Wer hier Ordnung reinbringt, hebt einen größeren Hebel als beim Werkzeug allein.

Der wunde Punkt: die Konzentration

In der Praxis schwankt die KSS-Konzentration ständig. Wasser verdunstet, die Emulsion reichert sich an, jemand kippt nach Gefühl nach. Läuft die Konzentration zu niedrig, leiden Werkzeugstandzeit und Oberflächengüte; läuft sie zu hoch, steigen Verbrauch und Hautbelastung. Das manuelle Nachmessen mit dem Refraktometer passiert oft zu selten – und die Korrektur nach Augenmaß.

Handwerkerhand hält ein optisches Handrefraktometer über einem KSS-Tank mit milchiger Emulsion
Konzentration prüfen: Ein Handrefraktometer zeigt den KSS-Gehalt der Emulsion – manuell aber oft zu selten gemessen. Symbolbild (KI-generiert)

Was automatisiertes Fluidmanagement macht

Ein automatisiertes System übernimmt genau diese Regelung. Es misst laufend Konzentration, pH-Wert und Leitfähigkeit und dosiert Wasser und Konzentrat bedarfsgerecht nach. Weicht ein Wert ab, wird er sofort erkannt und die Emulsion automatisch wieder auf den Sollwert gebracht. Zusätzlich erfasst das System die Daten digital – Sie sehen also, wie sich Zustand und Verbrauch über die Zeit entwickeln.

Was das dem Betrieb bringt

~30 %
weniger KSS-Verbrauch im Fallbeispiel Liebherr (System CUMA).
8–16 %
der Fertigungskosten entfallen aufs KSS-Management.
3–5 %
nur machen die reinen Werkzeugkosten aus.

Der direkte Effekt ist weniger Verbrauch. Der indirekte wiegt oft schwerer: Eine konstant richtige Emulsion hält länger, und auch die Werkzeuge stehen länger im Einsatz, weil sie sauber gekühlt und geschmiert arbeiten. Dazu kommt weniger Handarbeit an der Maschine und eine Datenbasis, mit der sich der KSS-Einsatz überhaupt erst steuern lässt.

„Kühlschmierstoff ist im Einkauf ein kleiner Posten und im Betrieb ein großer."

Worauf Zerspanbetriebe achten sollten

Entscheidend ist, dass das System zu Ihren Maschinen und zur Zahl der Kreisläufe passt. Ein einzelner Bearbeitungszentrum-Tank stellt andere Anforderungen als eine Zentralanlage. Klären Sie vor der Anschaffung, welche Werte gemessen werden, wie das System nachdosiert und ob sich die Daten in Ihre bestehende Fertigungs-IT einbinden lassen. Anbieter wie CUMA (Hermann Bantleon gemeinsam mit Festo), GIMAT oder RHOBA-Chemie decken unterschiedliche Betriebsgrößen ab.

Häufige Fragen

Was ist automatisiertes Kühlschmierstoffmanagement?
Ein System, das Konzentration, pH-Wert und Leitfähigkeit des Kühlschmierstoffs laufend misst und Wasser und Konzentrat automatisch nachdosiert, damit die Emulsion konstant auf Sollwert bleibt.
Wie viel Kühlschmierstoff lässt sich sparen?
Im Fallbeispiel Liebherr Components sank der Verbrauch mit einem automatisierten System um rund 30 Prozent. Der genaue Wert hängt von Maschinenpark und Ausgangslage ab.
Warum lohnt sich das trotz kleiner KSS-Einkaufskosten?
Weil das KSS-Management mit 8 bis 16 Prozent der Fertigungskosten deutlich schwerer wiegt als die reinen Werkzeugkosten – und weil eine konstante Emulsion die Standzeit von Werkzeug und KSS verlängert.
Für welche Betriebe eignet sich das?
Für Zerspanbetriebe vom einzelnen Bearbeitungszentrum bis zur Zentralanlage – die Systeme sind auf unterschiedliche Betriebsgrößen ausgelegt.

Welcher Kühlschmierstoff und welche KSS-Strategie zu Ihrer Zerspanung passen, ist eine Frage für die Praxis. Das Pöppel-Team berät Zerspanbetriebe zu Kühlschmierstoff und Werkzeug.

Beratung anfragen
Sven Müllers, Marketingleitung R. Pöppel

Sven Müllers

Marketingleitung · R. Pöppel, Memmingen

Festgehalten hat mich an diesem Thema eine Zahl: die 30 Prozent Einsparung. In den Fachmeldungen klingt sie nach allgemeiner Kostensenkung – in der Primärquelle ist sie der Kühlschmierstoff-Verbrauch eines einzelnen Betriebs. Wir haben sie deshalb bis zum Ursprung zurückverfolgt, denn genau solche Verschiebungen entscheiden darüber, ob sich eine Investition rechnet.

Ein großer Teil unserer Arbeit im Marketing bei R. Pöppel in Memmingen ist Recherche – für Handwerks- und Industriebetriebe der Region. Wir arbeiten nach bestem Wissen und prüfen jede Angabe gegen; bleibt trotzdem ein Fehler stehen, sagen Sie uns bitte Bescheid. Schreiben Sie mir.

Quellen und wie wir geprüft haben

Ausgangspunkt war ein Fachbeitrag auf Zerspanungstechnik.de vom 22. Juli 2026. Die häufig zitierte Einsparung von rund 30 Prozent haben wir an der Pressemitteilung des Systemherstellers geprüft: Sie stammt aus dem Fallbeispiel Liebherr Components und bezieht sich auf den Kühlschmierstoff-Verbrauch, nicht auf die Fertigungs- oder Betriebskosten insgesamt. Im Text ist sie deshalb ausdrücklich als Verbrauchswert eines Einzelfalls eingeordnet. Die Kostenanteile stammen aus einer davon unabhängigen Fachquelle. Sprechen Sie uns darauf an – als Ihr Fachhändler beraten wir Sie zu Kühlschmierstoffen und zur passenden Strategie für Ihre Fertigung. Zur Beratung.

4 Quellen · 1 Angabe korrigiert

Primärquelle
Hermann Bantleon, Pressemitteilung zum System CUMA – Fallbeispiel Liebherr Components
Ausgangsmeldung
Zerspanungstechnik.de, „Automatisiertes Kühlschmierstoffmanagement“ (22.07.2026)
Abgleich
pos.de (Kostenanteile) · GIMAT · RHOBA-Chemie (Systeme)
Korrigiert
Die „rund 30 Prozent“ sind der Kühlschmierstoff-Verbrauch eines Einzelfalls, nicht die Fertigungskosten.

Stand der Prüfung: 26. Juli 2026. Fehler entdeckt? Schreiben Sie uns – wir korrigieren und weisen die Änderung aus.

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